GOTTFRIED HONEGGER
KEIMZELLEN ZUR ABSTRAKTION
In der Klosterkirche vom 21.11.2015 bis 24.4.2016

Gottfried Honegger wurde 1917 in Zürich geboren. Seine Mutter stammte aus Sent im Unterengadin. Mit diesem Ort blieb er zeitlebens verbunden: "terra ladina - ihr verdanke ich meine Lust am Sinnlichen." Sein zwischen 1953 und 1958 entstandenes Frühwerk, das aus dem Reservoir der Natur und ihren gesetzmässigen Formen schöpft, ist die Keimzelle seiner Kunst.

Hier ist schon alles angelegt, was in fast unendlicher Varietät bis heute Gestaltung findet. Das Wechselspiel von Gesetz und Zufall, das die Matrix von Honeggers Schaffen bildet, führt zu grossformatigen, monochromen "Tableau-reliefs" und geometrischen Gesetzen folgenden Skulpturen aus Stein und Metall, die einen Raum stiller, meditativer Harmonie evozieren.

Wenn die frühen Zeichnungen die Naturgesetze untersuchen, kreisen die Computer-Zeichnungen um die Gesetzmässigkeiten der Mathematik und des Zufalls. Zwischen diesen Polen entwickelt sich Honeggers Weg in die Abstraktion, zur Schönheit der Geometrie. Die Zeichnung und das Bild wachsen in den Raum, zum Relief und zur Skulptur. Neuerdings sind sie Teil der Architektur, des gegebenen Raums.

"wer nicht geometer ist, der trete nicht ein", steht am Eingang des Ateliers des am 17. Januar in seinem 99. Lebensjahr verstorbenen Meisters. Treten Sie ein, trotz dem Hausverbot des grossen Pythagoras, in einen Raum der Romanik und in Täler der Naturschönheit, wo sich Zeit und Ewigkeit begegnen.

Guido Magnaguagno

→ Zu den Nachrufen auf Gottfried Honegger
→ Art TV zur Retrospektive im Haus konstruktiv Zürich
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